Was heißt Stockbrot auf Arabisch

Zierenberg kennt kaum einer und schon gar nicht das Mädchen aus Syrien, welches gestern an der Naturschutz AG meiner Frau teilgenommen hat. Sieben Kinder, sechs aus umliegenden Dörfern und eben dieses Mädchen aus Syrien, dessen Name ich noch nicht einmal kenne.

Sie alle kommen jeden Montag Nachmittag auf den Dörnberg bei Zierenberg (Nordhessen) und verbringen eine Zeitlang in der Natur oder Basteln etwas aus Naturprodukten. Gestern war dann Lagerfeuer mit Stockbrot backen und Maronen rösten dran und ich war mit.

Meine Frau erklärte, wie man Feuer macht (u.a. nur im Beisein eines Erwachsenen) und zeigte es den Kindern. Als das Feuer leicht brannte, bin ich mit den Kindern auf die Helfensteine geklettert. Die Sicht war klar und jedes Kind könnte mir sein Heimardorf zeigen und die Berge der Umgebung benennen. Anschließend sind wir wieder runter geklettert zum Lagerfeuer und haben dann Stockbrot gebacken, Maronen geröstet und heißen Tee getrunken.

Und mittendrin das syrische Mädchen, sehr wenig deutsch sprechend, aber alles aufmerksam verfolgend. Was mag es wohl gedacht haben, bei diesem Ausflug? Ob sie so etwas in Syrien auch schon gemacht hat?

Mit ihren ca. zehn Lebensjahren wird es schon einiges erlebt haben, um hierher zu kommen und Stockbrot zubacken. Vielleicht hat sie dies in Syrien auch getan, mit ihren Großeltern und Eltern, Geschwistern und Verwandten, mit ihren Freunden oder der Schulklasse. Sicherlich ist ihre Herkunftsgegend genauso schön wie unser Nordhessen, unser Deutschland und sie hätte mir jedes Dorf und jeden Berg benennen können.

Und dann kam der Krieg. Soldaten, Panzer, Fassbomben, Kampfjets,  Terror und all die erbarmungslosen Bestandteile des Krieges. 

Auf irgendeine Weise hat es dies Mädchen nun mit ihren Eltern nach Zierenberg verschlagen. Den Weg will ich gar nicht wissen, Teile davon kann man täglich in den Medien sehen.  

Nun ist sie hier angekommen und ob sie wirklich angekommen ist weiß ich nicht.

Was ich weiß, es waren ein paar vergnügliche Stunden und das habe ich auch dem Mädchen angesehen, da war ein Miteinander mit den anderen Kindern und ein bisschen Leuchten in den Augen.

Was bleibt? Kein Krieg ist auch eine Lösung, damit jedes Kind in seiner Heimat Stockbrot backen kann und ich weiß immer noch nicht was Stockbrot auf arabisch heißt 

Zahlen heilen

In der modernen deutschen Medizin geht es ja permanent darum Zahlen zu „machen“, d.h. den Umsatz des Krankenhauses durch eine monetäre effektive Behandlung von mehr Patienten zu steigern.

Aber eigentlich behandeln Mediziner keine Zahlen, wir behandeln Menschen.

Was wäre wenn doch?!

Wenn die 1 sich ihre Spitze vorne abbricht könnte der Chirurg dies mit einer Platte rekonstruieren.

Die 2 hat es schwieriger, mit ihrem Kinking direkt unter dem dicken Bauch. Aber eine geschickte Stenteinlage kann hier den (Schreib-)Fluss wieder herstellen.

Bei der 3 ist es einfach. Die muss ihre adipösen Bögen nur zur Liposuction beim plastischen Chirurgen bringen und schon ist sie wieder schlank und rank.

Ein schwerer Fall, die 4. Mit ihren spitzen Ecken, Kanten und Überschneidungen. Hier hilft nur die Psychologie, um aus den Schärfen das Seelenheil wiederherzustellen.

Mit der 5 ist es ähnlich kompliziert. Gerade eckige Striche mit einem runden Bauch. Ein klarer Fall für den Dermatologen. Ein paar Salben und alles glättet sich wieder.

Der Gastroenterologe kann sicher der 6 helfen. Eine entblähende Coloskopie und die Form ist wieder gewahrt.

Die 7 ist ein Fall für den Neurochirurgen. Ein paar feste Stangen und Schrauben in das lange Rückrat und sie steht wieder kerzengerade da.

Sollte die 8 etwas dick und breit daherkommen, so wird da sicherlich ein Gastric-Bandig helfen um sie nicht so plump aussehen zu lassen.

Der Urolge kann sicherlich der 9 helfen mit ihrem dicken Kopf und dem „kleinen“ Anhängsel….lassen wir dies lieber.

Zuletzt die 0. 0-en behandeln wir nicht. 0-en sind im Universum der Medizin nicht vorhanden. Es sei den sie stellen das Hole auf dem Golfplatz da.

Ergo man sieht, auch Zahlen sind heilbar

Die Frau, Der Mann, Mitmenschen 

Die Frau, die nichts sieht, aber den Menschen die Psychologie ihrer Welt erklärt

Der Mann, der kein Geld hat und dessen Familie nicht weiß das er einen Tumor hat

Die Frau, die bald wieder Uroma wird, aber weder Mann noch Kinder hat und immer müde ist

Der Mann, der wenig versteht und einen Schlauch zwischen Lungen- und Rippenfell hat, aus dem Flüssigkeit fließt 

Die Frau, die mal Säuglingsschwester war und eigentlich nicht ins Krankenhaus wollte

Der Mann, der nicht mehr richtig reden kann und nicht mehr in seine eigene Wohnung darf

Die Frau, die langsam einschläft, weil ihr Tumor von Ihnen gegen den Schädel drückt

Der Mann, der uns gestern noch viel erzählt hat und heute nicht mehr

Die Frau..

Der Mann..

Die Frau

Der Mann

Die

Der

Mitmenschen 

Ausgestiegen 

Sonntagnachmittag, warmes Balkonwetter, Urlaub, Handyklingeln: „Kannste du mal kommen, wir brauchen eine Straße weiter einen Arzt, sind am Reanimieren?“ „Komme!“

Beim Eintreffen ist schon ein Rettungswagen da, die Herz-Lungen-Wiederbelebung wurde  durch Laien sofort begonnen. Ich bringe mich mit ein, derweil fährt auch der Notarzt vor. Gemeinsam behandeln wir die Patientin, Reanimation nach den aktuellen Leitlinien. Während dessen versuchen wir weitere Informationen über die Patientin einzuholen. 

Der Ehemann steht hilflos daneben, kann keine richtigen Sätze zusammenbringen. 

Sie wären gerade eben nach Hause zurück gekommen und seine Frau, wär aus dem Auto gestiegen und umgefallen. Jaja, sind ein paar Herzvorerkrankungen bekannt. Genaues wisse er nicht. 89 Jahre sei seine Frau alt.

Die Nachbarn bestätigen, das. Sie haben sofort mit der Laienreanimation begonnen und dann an die Rettungskräften übergeben.

Während der Reanimation, beratschlagen wir Rettungskräften das weitere Vorgehen. Der Hausarzt ist nicht zu erreichen. Gemeinsam beschließen wir, die Wiederbelebung ein zustellen, den Tod fest zustellen.

Da kommt man mit seinem Lebenspartner nach Hause, steigt aus dem Auto und ist Witwer.

Binnen kürzester Zeit, ändert sich das Leben kolossal. Es geschehen Dinge, die man überhaupt nicht steuern, lenken und beeinflussen kann. 

Es kommt das Schicksal

Schịck·sal; Substantiv [das]

1.eine höhere Macht, die das Leben beeinflusst.

2. ein Ereignis, das das Leben eines Menschen entscheidend beeinflusst, ohne, dass man daran etwas ändern kann.

Und so ist es. Eine höhere Macht, die das Leben dieser Menschen entscheidend beeinflusst. 

Der eine Mensch darf nicht mehr weiterleben, der andere Mensch muss jetzt alleine weiterleben. 

Das Schicksal hat beide getroffen, unbeirrt und unbeeinflussbar. Und auch keine medizinische, keine menschliche Maßnahme kann diesen Entschluss des Schicksals aufhalten.

Da kommt man mit seinem Lebenspartner nach Hause, steigt aus dem Auto und….

….dann kommt das Schicksal und nicht der vielleicht gewünschte Sonntagnachmittagskaffee mit Erdbekuchen.

Die Würde des alten Intensivpatienten

Da liegen sie, die alten Patienten auf der Intensivstation. Hochbetagt, mit vielen Gebrechen versehen die ihnen das Leben veräußert hat. Und dann kam er, der eine kleine Stups, der Windhauch, der klitzekleine falsche Schritt der sie vom schmalen Pfad der Eigenständigkeit und Gesundheit abgebracht hat.

Und nun liegen sie da. Intubiert, an die Beatmungsgeräte angeschlossen. Mit Kathetern versehen, die herzwirksame und blutdruckstabilisierende Medikamente via Spritzen in ihren Körper pumpen. Magensonden mit den sie gefüttert werden. Dickeren Schläuchen, die in ihren Venen verschwinden um Blut aus ihrem Körper zu holen, daß in Dialysemaschinen gewaschen wird. Angeschlossenen an Kabel, die ihre medikamenteninduzierte letzte Vitalität mit bunten Kurven auf Farbmonitoren aufzeichnet. Gedreht und gewendet nach nicht eigen gesetzten Wünschen, sondern nach medizinischen Vorgaben von Personen, die sich nicht kennen.

„Good lung down“ lautet die Devise, ob der Patient will oder nicht und wen es prekär wird 135 Grad Bauchlage, ob man nun Bauchschläfer ist oder nicht. 

Ertragen lässt sich das nur unter der massiven Gabe von Schlaf- und Schmerzmitteln. 

Aufgedunsen sehen sie aus unter der massiven Flüssigkeitsgabe. Nicht mehr das Bild Ihrer selbst.

Und dies alles im Sinne einer Medizin und Therapie, die vermeintlich versucht den Patienten wieder in seinen alten gesundheitlichen Status Quo zu versetzen.

Jeder, der einmal in jungen Jahren schwer krank war, weiß, wie lange man daran zehrt.

Und jetzt im Alter?!

Es ist eine schwierige Frage, wie weit man geht, wieviel man therapiert. Es Bedarf vielfältiger Gespräche zwischen Angehörigen, Pflegekräften und Ärzten die nicht mehr äußerbaren Wünsche und Vorstellungen des Patienten um zu setzen.

Aber eines sollte ganz klar sein: Die Würde des Menschen endet nicht betäubt von Schlaf- und Schmerzmitteln am Beatmungsgerät und der Dialysemaschine!

Die Bagatellkranken 

Da war er mal wieder, so ein Artikel im „Spiegel“ über die Krankenhäuser bzw. hier über die Notaufnahmen in den Krankenhäusern.

Und nun? Eine Bestandsaufnahme, wie soviele Bestandsaufnahmen über unser Gesundheitssystem.

Was ändert das?! 

Zuviele Menschen, die nicht „richtig“ krank sind säßen in den Notaufnahmen und behindern die Versorgung der „wirklich“ Kranken. Die Bagatellkranken

Die WHO definiert Gesundheit als Zustand des vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen.

Aber wer von uns hat den Zustand des vollkommen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens?

Und gibt es nicht da noch was von Ratiopharm? Also, ein guter Grund mal eben schnell in die Notaufnahme zu gehen und sich etwas verschreiben zu lassen. Schließlich werben doch auch die Krankenhäuser permanent mit ihrem Leistungsangebot, warum nicht nutzen. Und wann ist meine Krankheit eine Bagatelle? Womöglich ist es der Anfang einer schweren Krankheit oder gar einer Epidemie, bei der viele Menschen betroffen sein könnten. Weiß ich das?

Jede Krankheit wird dramatisiert, jede Bewegung wird durch ein Fitnessarmband mit App optimiert. Am Ende, weiß ich nicht mehr, ob ich optimal krank oder suboptimal gesund bin. Das Selbstgefühl für den eigenen Körper schwindet dahin. Deswegen ab in die Notaufnahme, die werden es mir sagen, da sitzen die Spezialisten, die sind 24/7/365 da und nicht so wie die Hausärzte, die einen dann zum Facharzt überweisen. Bei dem bekomme ich ja eh erst in … einen Termin und bis dahin könnte ich ja…! Genauso!

Wo Angebote geschaffen werden, werden sie genutzt, wo Angst um die Gesundheit geschürt wird, wird es immer Menschen geben, die diese Ängste haben und jede Bagatelle durchchecken wollen.

Und am Ende wird mit allem Geld verdient.

Wir müssen uns nicht wundern über die Notaufnahmen und ihre Patienten.

Sie sind ein Produkt unserer Zeit

Lebenshilfe- Sterbehilfe 

Der permanente Zwang der aufgeklärten Welt alles zu regeln.
Geburt wird geregelt, in dem am Besten aller Kinder nur noch in perinatal Zentren des Level 1 zu Welt kommen. Bloß keine Abweichungen, bloß keine Individualität. Jedes Kind, jeder neue Mensch unter maximaler höchster Sicherheit zur Welt gebracht. 
Der einzelnen Mutter, dem werdenden Kind, der einzelnen Familie wird jegliches Selbstvertrauen genommen, das sie dies auch alleine schaffen zusammen mit einer gut ausgebildeten Hebamme. So wie es tausende Jahre ging. Die Geburt als erster selbstbestimmter Schritt in ein neues Leben.
Und so ist es auch mit dem Sterben geworden. Mit Gesetzen die auch dieses Regeln oder vermeintlich Regeln wollen.
Ich kenne den Inhalt des Gesetzes nicht und will auch garnicht kennen lernen. Sicher werde ich es mir als Arzt durchlesen müssen und sollte mich damit beschäftigen. 
Aber ist das Sterben nicht eine genauso individuelle Entscheidung wie das Leben? Muss man das Regeln?
Bei einer anstehenden Geburt kann sich die werdende Familie fast neun Monate auf das neue Leben vorbereiten. Man kann Bücher lesen, Kindsbewegungen tasten, Herztöne hören.
Auch der Tod eines Familenmitglieds kommt nicht immer unverhofft. Wer genau hinschaut sieht den Verfall des geliebten Menschen. Auch auf dieses Ereignis kann man sich vorbereiten. Mit Sehen, Hören, Fühlen und Reden kann man ziemlich genau die Wünsche, Vorstellungen und Bedenken desjenigen heraus bekommen. Und dann kann man diesen letzten Weg gemeinsam gehen ohne das man ein Gesetz braucht oder gegen bestehende verstößt.
Wir sollten mehr Selbstvertrauen in uns setzen, dann brauchen wir keinen Staat der alle Lebenswege inklusive des letzten Weges für uns regelt. 
Schließlich sind wir der Staat und Leben und Sterben ist unsere eigene Autonomie.